Presseberichte

Weikersheim

Von reichen Märkten und vertriebenen Bauern – Agrarindustrie auf Kosten kleinbäuerlicher Landwirtschaft in Entwicklungsländern

Volles Haus im KULT in Niederstetten. Rund 100 Besucher – Verbraucher und Landwirte gemischt – folgten der Einladung des Evang. Bauernwerks. Gemeinsam mit der Kulturamt Niederstetten zeigte der Bezirksarbeitskreis Weikersheim des Evangelischen Bauernwerks den Film „Landraub“. In der anschließenden Diskussion tauschten sich Landwirte und Verbraucher aus.

Das verfügbare Ackerland schwindet weltweit. Etwa zwölf Millionen Hektar werden jährlich versiegelt und sind danach landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar.

Außerdem wird Ackerland seit der Finanzkrise vermehrt durch Investoren gekauft, die die regionale Landwirtschaft verdrängen. Im Film „Landraub“ kommen sowohl die Investoren, als auch die verdrängten Bauern zu Wort.

Vertriebene Dorfbewohner aus Kambodscha berichten, dass ihnen das Land, das ihre Familie seit Generationen bewirtschaftet, plötzlich weggenommen und ihre Häuser niedergebrannt wurden. Das Land wurde von der Regierung an einen Großinvestor verkauft. „Wenn die Regierung Land braucht, dann holt sie es sich“ mit der Begründung die Bauern seien illegal auf dem Land. Den Kleinbauern wurde dadurch die Lebensgrundlage entzogen. Was sie seither selbst angebaut haben, müssen sie nun zukaufen. Der Weg in die Armut ist vorgezeichnet.

Im Film werden ebenso die Landkäufe deutscher Unternehmer in Rumänien und Ungarn angesprochen. Oft wird Land, das zum Verkauf steht, den umliegenden Bauern zum selben Preis angeboten wie den Großinvestoren. Wer da zahlungskräftiger ist, ist klar. In Rumänien gehen 50% der Agrarförderung an nur 1% der Betriebe. Je mehr Hektar, desto mehr Geld. Ist das von der EU-Politik so gewollt?

Es wird von ungenutzten Landreserven in Afrika gesprochen. Auch in Äthiopien unterstützt die Regierung Landkäufe durch ausländische Investoren. Dadurch werden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen, beispielsweise auf den Plantagen und in den Gewächshäusern. Ein Investor berichtet stolz wie das Gemüse heute in Äthiopien gepflückt und schon morgen in Dubais Luxusrestaurants zubereitet wird. Von dem Gemüse, das sie pflücken, haben die Arbeiter selbst noch nie gekostet. Auf der einen Seite sprechen die Arbeiter von Ausbeutung und minimalen Löhnen. Auf der anderen Seite begrüßt eine Dorfbewohnerin die Plantage, da Arbeitsplätze geschaffen wurden und mehr Arbeiter ins Dorf zogen, die wiederum ihrem Imbiss-Stand Gewinn bringen.

Zwar gibt es eine Menge von Richtlinien und Vorschriften für Arbeits- und Produktionsbedingungen, aber oft sind die Zertifikate ungeprüft und werden von den Großinvestoren selbst vergeben. „Nachhaltig“ ist eben ein sehr dehnbarer Begriff.

Für die Palmölgewinnung werden riesige Plantagen auf abgeholztem Regenwaldgebiet angelegt. Palmöl ist sehr stark nachgefragt. Es wird unter anderem für Kosmetika, Wachmittel, Süßigkeiten, Eis und Öl sowie als Energierohstoff verwendet. Die Argumentation der Investoren ist schlüssig. Sie unterstützen das jeweilige Land, indem sie Steuern bezahlen und helfen der Region durch Arbeitsstellen. Indem die Großbetriebe immer größer werden, entstehe folglich ein immer größerer Gewinn für alle.

Andererseits geht auch Gewerbe, wie etwas das Handwerk, in der Region verloren, da immer weniger Kleinbauern immer weniger Bedarf an Werkzeug haben.

Es ist beunruhigend, welchen Einfluss die westlichen Investoren auf Entwicklungsländer haben und welchen Effekt unsere Auslagerungen mit sich bringen. Dadurch dass wir außerhalb Europa günstiger produzieren wollen, verlieren wir die lokalen Bedürfnisse aus unserem Blickfeld.

Melanie Läpple