Vortragsabend und Podiumsdiskussion mit Christina Stumpp
Roter Teppich für das argentinische Steak?
Vortragsabend mit Vize-Generalsekretärin Christina Stumpp und Podiumsdiskussion am 23. Oktober 2024
In Kooperation mit dem Evangelischen Bauernwerk, dem örtlichen Arbeitskreis des Kirchenbezirks Waiblingen, vertreten durch Bildungsreferentin Miriam Haimerl und Pfarrer für Landwirtschaft und Ökologie des Kirchenbezirks Waiblingen, Bernhard Elser, sowie der Evangelischen Kirchengemeinde Hegnach war wenige Tage nach dem Erntedankfest die CDU-Vize-Generalsekretärin Christina Stumpp (CDU) in der Pauluskirche zu Gast. Sie sprach zum Thema: „Ein Herz für die Landwirtschaft?! Wer sorgt sich um die regionale Ernährungssicherung und den Erhalt unserer Landschaft“. Durch den hochklassigen Abend führte die erfahrene und versierte Moderatorin Juliane Eberwein.
Die CDU-Bundestagsabgeordnete des Rems-Murr-Kreises wuchs selbst in einer Familie mit Landwirtschaftsbetrieb auf und trägt allein schon deshalb die Anliegen der Landwirte in ihrem Herzen in die Bundeshauptstadt Berlin. Aktuell ist sie im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestags tätig und bringt dort ihre Stimme ein.
In ihrem mit viel Fachwissen gespickten und leidenschaftlichen Vortrag spürte man ihr dieses Herz in vielerlei Hinsicht ab. Ihr zentrales Anliegen: Die Landwirte und ihre Betriebe landes- und bundesweit in jeder Hinsicht effizient zu stärken und deren Zukunft zu sichern. Genau das Gegenteil bewirke die aktuelle Bundesregierung mit zahlreichen Gesetzen, die der Landwirtschaft beträchtlichen Schaden zufügten. Die Ampel-Regierung schaffe vor allem zusätzliche Bürokratie und insbesondere zahlreiche Wettbewerbsnachteile für deutsche Landwirte, so Stumpp, die immer wieder Zwischenapplaus erhielt. „Mit der geplanten Ausweitung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes rollt Cem Özdemir den roten Teppich für das argentinische Steak aus, während er unsere heimische Landwirtschaft an die Wand fährt“, so Stumpp. Dem müsse man entschieden entgegentreten und dazu hätte man in der bevorstehenden Bundestagswahl die Chance. Außerdem äußerte Christina Stumpp die Sorge, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe ihre Türen für immer schließen müssten und sich in der jungen Generation kaum mehr Menschen für dieses essenziell wichtige Berufsbild gewinnen ließen. Dies habe natürlich auch Auswirkung auf Pflege und Erhalt unserer Kulturlandschaft, auch hierfür gelte es, die entsprechenden Rahmenbedingungen rasch zu ändern und vor allem auch eine neue Wertschätzung zu etablieren, um tragfähige Zukunftsperspektiven zu öffnen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutieren REWE-Kaufmann Sebastian Aupperle, Landwirt und Stadtrat Volker Escher, sowie Chef der Hegnacher Mühle, Ulrich Stietz sehr engagiert, aber immer fair und konstruktiv miteinander. Sebastian Aupperle hielt einen Vertrag in die Höhe, den sein Vater vor vielen Jahren mit einem Lieferanten schloss: „Dieser Vertrag passt auf eine Seite!“ Wer heute eine Person einstellen wolle, sehe sich mit Vertragswerken mit mehr als 30 Seiten konfrontiert. „Die Bürokratie erstickt uns!“, resümierte Aupperle. Volker Escher beobachtet denselben Trend in der Landwirtschaft. „Die Zeit, die ich im Büro zu verbringen muss, nimmt Ausmaße an, die so nicht gehen.“ Grund hierfür sind die sich permanent verändernden Auflagen des Gesetzgebers, denen er Rechnung tragen müsse.
Die immense Bedeutung der Regionalität hoben alle Diskutanten unisono hervor. Drastisch sei dies noch einmal in Zeiten der Corona-Lockdowns ans Tageslicht gekommen. „In den ersten Wochen des Lockdowns bildeten sich Schlangen vor unserem Verkaufsraum in der Mühle. Alle wollten sich mit Mehl eindecken.“ Das gleiche Bild bot sich im Hegnacher Keimenfeld bei Familie Escher: „Ich musste einige Kunden erst aufklären, dass Kartoffeln im heimischen Keller oder Vorratsraum nur in begrenztem Ausmaß lagerfähig sind.“, so Volker Escher. Sebastian Aupperle betonte, dass nur ein vorausschauender Blick geholfen habe, leere Regale weitestgehend zu vermeiden.
Viele weitere, schwergewichtige Themenfelder wurden an diesem informativen Abend auf dem Podium abgeschritten. In der sich anschließenden Fragerunde konnten sich die Besucherinnen und Besucher selbst an die Akteure in Landwirtschaft, Einzelhandel und Politik wenden.
Die Mitglieder des Arbeitskreises des Evangelischen Bauernwerkes bedachten die Akteure des Abends mit reichhaltig gefüllten Geschenkkörben mit vielen wertvollen Erzeugnissen aus ihren Betrieben. Nach diesem gelungenen und spannenden Abend darf man gespannt sein, was der Bezirksarbeitskreis als Nächstes auf die Beine stellen wird.
Bernhard Elser