Aktuelles

27.06.2020 ~ Stadt-Land-Partnerschaft

Unterwegs in Hohenlohe auf der Suche nach Arten und Weiden

Die Busrundfahrt über das Hohenloher Land unter strengen Hygienevorschriften war eine der ersten Veranstaltungen des Evang. Bauernwerks nach dem Lockdown.

Erste Station war das F.R.A.N.Z-Projekt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Jürgen Maurer in Kupferzell-Fessbach, einer von 10 Betrieben bundesweit. Auf dem 180 ha großen Betrieb sahen die Teilnehmer verschiedene biodiversitätsfördernde Maßnahmen, die Lebensräume für typische wildlebende Tierarten bieten, so z.B. ein 40 m² Erbsenfenster, das Nahrung und Schutz für Niederwild bietet, mehrjährige Blühstreifen, Gewässerrandstreifen sowie ein Feld mit Extensiv-Getreide. Herr Maurer arbeitet eng mit dem NABU und der Wissenschaft zusammen. Da das Projekt erst wenige Jahre läuft kann die Wissenschaft jedoch noch wenige konkrete Ergebnisse liefern.

Nach dem Mittagessen im großen Obstbaumgarten eines bäuerlich geprägten Landgasthofes ging es weiter zum Betrieb Rieger-Hofmann GmbH in Blaufelden-Raboldshausen. Hier werden auf 70 ha ca. 200 verschiedene Pflanzenarten zur Samengewinnung angebaut. Hinzu kommen 60 regionale Erzeuger im ganzen Bundesgebiet, die für die Firma gebietseigene Wildblumen und –gräser anbauen.

98 % der angebauten Pflanzen sind Stauden; Heilpflanzen spielen nur eine geringe Rolle. Die Ernte der Samen erfolgt durch Pflücken oder durch Schnitt entweder von Hand, teilweise auch mechanisiert bzw. mit Sauger. Schwierig ist bei der Ernte, dass Wildblumen nicht gleichzeitig reifen. Samen-Kunden sind Gemeinden, Landkreise, Gartenschauen, Saatgutfirmen, Privatleute aus Deutschland und aus dem EU-Ausland. Auch „Sonderwünsche“ werden erfüllt, wenn z.B. die Farben von Betriebslogos sich in der Blumenmischung widerspiegeln sollen. Natürlich gab es auch ein Päckchen Wildblumen-Samen mit nach Hause.

Anschließend zeigte Rainer Hofmann seine Anbauflächen: mehrjährige blühenden Wiesen- und Ackersäume und angesäte Straßenränder. Die Flächen sind ökologisch sehr wertvoll und nicht nur Insekten- sondern auch Augenweide. Familie Hofmann bewirtschaftet insgesamt 55 ha, davon auf 30 ha Saatgutvermehrung. 40 Arten von Wildpflanzensamen werden für die Firma Rieger angebaut. Neben dem Gräser- und Blumenanbau halten sie 30 Limburger Weideochsen, die teilweise direkt an Privatkunden vermarktet werden.

Im Gewächshaus lag der Ertrag von 3 ha Margeriten, die kurz zuvor gedroschen wurden. Während der Trocknung muss der Samen mehrmals täglich mit einem großen Handrechen gewendet werden bevor er gesiebt wird.

Abschluss war im Garten von Familie Hofmann bei Kaffee und Kuchen und Gesprächen über das Gesehene und Gehörte. Auf allen Betrieben gab es rege Diskussionen. Die Veranstaltung bot den Landwirten gute Gelegenheit, ihre Arbeit und Arbeitsbedingungen den anwesenden Nicht-Landwirten näher zu bringen.

Margarete Walter