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Presse und Publikationen

Hof mit Zukunft

- auch ohne eigene Nachfolger bzw. Eltern mit Hof -

Unter dieser Überschrift lud das Evang. Bauernwerk Landwirte ohne eigene Nachfolger, sowie junge Landwirte auf der Suche nach einem Hof zur Existenzgründung nach Hohebuch ein. Mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – potentielle Übergeber wie potentielle Übernehmer – folgten der Einladung von Veronika Grossenbacher und Angelika Sigel nach Hohebuch. Drei Landwirte bzw. Landwirtsfamilien präsentierten ihre Erfahrungen mit einem außerfamiliären Generationswechsel.

Keinen Hofnachfolger zu haben kommt heute in den besten Familien und den schönsten Betrieben vor. Kinder können sich anders als früher in Freiheit für einen Beruf entscheiden – auch in der Landwirtschaft. So suchen Landwirtsfamilien heute nach zukunftsfähigen und praktikablen Alternativen auch zur Hofaufgabe. Daneben gibt es immer mehr junge Menschen, die es in aller Freiheit in die Landwirtschaft zieht, junge Menschen mit landwirtschaftlicher Ausbildung, die nach Möglichkeiten suchen, sich eine landwirtschaftliche Existenz aufzubauen. Da sich hier Interessen ergänzen könnten, hat das Evangelische Bauernwerk bereits zum sechsten Mal zum Thema "Außerfamiliäre Hofübergaben" nach Hohebuch eingeladen.

Veronika Grossenbacher vom Evang. Bauernwerk betonte einleitend, dass es für familienfremde Übergaben leider noch keine großen Erfahrungswerte gebe. Deshalb sei das Ziel der Tagung, v.a. Erfahrungen von gelungenen, außerfamiliären Generationswechseln zu präsentieren und zu kommunizieren. Der Tag solle aber auch Ort der Begegnung, des möglichen Kennenlernens und von Kontaktaufnahmen von Interessenten sein.

Fritz Joas aus Wertheim-Dörlesberg berichtete wie er einst einen Hof außerfamiliär übernommen hat. Nach dem Tod seiner ersten Frau orientierte er sich beruflich mit seiner Familie neu. Er kaufte eine Hofstelle mit Umland und verhandelte ein Vorkaufsrecht für die restlichen Flächen. In der neuen Region war er zunächst vollkommen fremd. "Ich kannte praktisch niemanden, musste neue Händler suchen, Nachbarn kennenlernen, ja auch manche Äcker erst suchen." Aber auch für die Altbauern sei es eine gravierende Veränderung gewesen: Sie wohnten nicht mehr auf dem Hof, hatten übrig Zeit, "mussten" ausschlafen, "durften" nicht mehr arbeiten und fragten sich: "Was macht der Jungbauer mit meinem Lebenswerk?". Das waren für beide Seiten emotional schwierige Zeiten. "Man tut sich weh, v.a. ungewollt". Es war v.a. der Verdienst der Frauen in beiden Familien, welche immer wieder die Brücken suchten, wenn es schwierig wurde, so dass der Faden nie abriss. Größere Familienfeste feiert man heute ganz selbstverständlich zusammen. Um sich aktiv in der neuen Region zu integrieren engagierte sich Familie Joas gezielt in Kirchengemeinde und Posaunenchor.

Ein ganz anderes Beispiel präsentierten Lukas Dreyer und Dorothea Reyer-Simpfendörfer. Sie wuchs auf dem Reyerhof in Stuttgart-Möhringen auf. Als sie in den 80er Jahren mit ihrem Mann Christoph den elterlichen Hof vom Bruder kauften, der den Hof zunächst übernommen hatte, gründeten sie bereits eine KG mit Verbrauchern, um das nötige Kapital für den Kauf aufbringen zu können. Seit 2 Jahren ist nun der Landwirt Lukas Dreyer als ihr Hofnachfolger mit im Spiel. Er ist nun auch Komplementär in der KG. Das ermöglicht ihm den Betrieb alleinverantwortlich aber mit der Unterstützung der eigenen Kunden weiterzuführen. "Ich konnte quasi auf einen fahrenden Zug mit aufspringen." Der Hofladen ist als Genossenschaft organisiert, in dem neben zahlreichen Verbrauchern Lukas Dreyer Vorstand ist und die quasi übergebenden Dorothea und Christoph Simpfendörfer im Aufsichtsrat sitzen. Auch hier wohnen "Alt" und "Jung" häuslich getrennt.

Doris Braun vom Riegenhof sucht noch die "Richtigen" als Nachfolger für ihren Hof in Mainhardt. Für einen vielseitigen Hof mit Mutterkuhhaltung mit Fleischvermarktung, Holzofenbäckerei, Kräutergarten, Hofladen und Kulturscheune einen Nachfolger zu finden ist gar nicht so einfach. Doris Braun möchte den Hof gerne an passende Nachfolger übergeben und nicht in erster Linie verkaufen. Gerne würde sie auf dem Hof weiterleben – in einer erweiterten Lebensgemeinschaft mit Nachfolgern. Das setzt eine Grundübereinstimmung von betrieblichen und persönlichen Interessen voraus.

Ein zentrales Thema bei einer außerfamiliären Hofübergabe ist die Frage, wie viel Veränderung sucht bzw. hält man als Übergeber aus, auch hinsichtlich des künftigen Wohnens. Passende Übernehmer finden sich sicher leichter, wenn Übergeber sich vorstellen können ab einem gewissen Zeitpunkt den Hof zu verlassen. Für potentielle Übernehmer sind fachliche und unternehmerische Kompetenz sowie Biss und langfristiges Durchhaltevermögen wichtige Voraussetzungen für eine Existenzgründung.

Hohebuch, den 04-12-2018 Veronika Grossenbacher

Doris Braun Dorothea Reyer-Simpfendörfer
Fritz Joas Lukas Dreyer
vlnr: Veronika Grossenbacher, Dorothea Reyer-Simpfendörfer, Doris Braun, Fritz Joas, Lukas Dreyer, Angelika Sigel

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