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Presse und Publikationen

Mehr Blütenvielfalt in Gärten und Feldern

Stadt-Land-Partnerschaft diskutiert Herausforderungen für die Bienengesundheit:

Zunehmend geraten die natürlichen Lebensräume für Vögel, Schmetterlinge und Insekten in die öffentliche Aufmerksamkeit: zwitschert es weniger, summt es seltener als früher? Am Beispiel der Biene befasste sich die Stadt-Land-Partnerschaft im Evangelischen Bauernwerk anlässlich ihrer Frühjahrstagung mit dem Thema „gesunde Bienen –gesunde Land(wirt)schaft“. Gut 40 Teilnehmer kamen dazu in die Ländliche Heimvolkshochschule Hohebuch, darunter zahlreiche Imker.

Als Expertin stand Dr. Sara Leonhardt vom Institut für Tierökologie der Universität Würzburg Rede und Antwort. Wer an die Biene denke, habe dabei oftmals die Honigbiene im Blick. Dabei gebe es bis zu 600 Bienenarten, von denen die Hälfte heute als gefährdet gelte. Die ursprüngliche Honigbiene stammt aus Afrika und Asien, hat aber mit unseren heutigen Honigbienen wenig gemein.

Seit dem zweiten Weltkrieg ist tatsächlich ein deutlicher Rückgang der Bienenstöcke festzustellen. Dies betreffe hauptsächlich die nördlichen Regionen der Erde, sodass man von einem „Bienensterben“ ausgehen könne, was vielfältige Ursachen habe. Als Erstes das Verschwinden der natürlichen, für die Bienen notwendigen Habitate. Das sind ursprüngliche Wiesen mit einem reichen Bestand an Blütenpflanzen, aber auch Ackerflächen mit blühenden Wildpflanzen sowie nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen wie Ackerrandstreifen, Feldraine, Gewässerrandstreifen, Ödland und Hecken. Zudem seien immer mehr Hausgärten in leicht zu pflegende „Stein-Landschaften“ verwandelt worden, in denen Kies, Schmucksteine und sogar Glasscherben in allerlei Größen, Formen und Farben die natürlichen Nutzungsräume für Insekten verdrängten. Ein weiteres Problem sei die Varroa-Milbe, welche vor 35 Jahren auch in Deutschland eingeschleppt wurde und die Bienen gefährde. Die auf höheren Ertrag gezüchtete Honigbiene sei besonders anfällig, weil innerhalb der Zucht die Widerstandsfähigkeit vernachlässigt wurde. Nicht zuletzt setzten Pflanzenschutzmittel den Bienen zu, auch wenn sie als „bienenungefährlich“ eingestuft seien. Die Schädigung sei dabei oftmals nicht eindeutig zu erkennen, denn die Bienengehirne reagierten sehr empfindlich auf Umweltveränderungen, sodass es zu Verwirrungen und fehlender Orientierung führe und Bienen nicht mehr zu ihrem Stock zurückfinden könnten. Ob Klimaveränderungen die Bienen betreffen, daran gebe es aus wissenschaftlicher Sicht keine eindeutigen Belege, so die Expertin. Eines sei allerdings eindeutig: da fast 90% aller Pflanzen die Bienen als Bestäuber bräuchten, sei ihr Rückgang weniger ein Problem der Honigproduktion, sondern der langfristigen Sicherung landwirtschaftlicher Ernten: nicht nur bei uns sondern international, sodass sogar die Kaffeeproduktion davon abhängig sei. Die theoretische Bewertung dieser Bestäubungsleistung durch die Bienen gehe in die Milliarden Euro. Daher lieferten Bienen eine wichtige Öko-Dienstleistung.

Innerhalb der anschließenden Diskussion wurde auch die Frage der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln diskutiert, welche sogar als „bienenungefährlich“ gelten, wenn nur 50 % der Bienen zu ihrem Stock zurückkehrten. Sara Leonhardt plädierte verstärkt an Verbraucher, Landschaftsplaner und Landwirte mehr Biodiversität innerhalb der Natur zuzulassen und zu fördern. Dadurch könnte mehr Spielraum für Bienenschutz geschaffen werden, worin sie insbesondere auch eine Aufgabe der kommunalen Flächengestaltung sah. Zudem hätten es die Verbraucher in der Hand, die regionale Landwirtschaft zu unterstützen, um ihre ökologischen Funktionen zu fördern. Und nicht zuletzt dürfte die ganze Diskussion nicht auf die Honigbiene eingeengt werden, weil diese durch die Imker einen hohen Schutz erfahre. Noch stärker seien die Wildbienen gefährdet, um deren Erhalt man sich innerhalb der öffentlichen Diskussion zu wenig sorge.

Hohebuch, den 19. April 2017
Hansjörg Keyl

Dr. Sara Leonhardt gab Einblicke in die Voraussetzungen für mehr Bienengesundheit
Gut besuchte Veranstaltung in Hohebuch: Auch viele Imker waren dabei.

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