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Presse und Publikationen

Das tägliche Brot für die Tonne?

Auftaktveranstaltung zur neuen Filmaktion der Hohebucher Stadt-Land-Partnerschaft:

Mit den Filmen „Taste the waste“ und „Essen im Eimer“ wurde das Ausmaß von Lebensmittelabfällen in unserer Gesellschaft ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Daran knüpft nun auch das aktuelle Aktionsprogramm der Stadt-Land-Partnerschaft im Evangelischen Bauernwerk für Schulen, kirchliche Gruppen und sonstige Bildungsträger an, zu der eine Auftaktveranstaltung in Hohebuch den Startschuss gab. Dominik Leverenz vom Institut für Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart stellte die Ergebnisse der Studie zum Lebensmittelabfall in Deutschland vor, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Auftrag gegeben wurde.


Dominik Leverenz vom Institut für Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart stellte die Studie der Bundesregierung vor



Leverenz zeigte die Schwierigkeiten auf, die schon mit der Datenerhebung verbunden sind. Alleine die Definition von Lebensmitteln und Lebensmittelabfall sei gar nicht einfach, da zum Beispiel agrarische Rohstoffe noch gar nicht in der Lebensmittelstatistik auftauchten. Von daher konzentrierte man sich auf Haushaltsabfälle, Abfallcontainer der Lebensmittelindustrie, die zur Entsorgung anstehenden Restbestände aus dem Lebensmitteleinzelhandel sowie den Küchenresten von Großverbrauchern wie Krankenhäuser, Gaststätten oder Kantinen. Darüber hinaus unterscheide man zwischen vermeidbaren und nicht vermeidbaren Abfällen, wie z.B. Obstschalen, Gemüsereste, etc.

Gleichwohl komme man zu dem erschreckenden Befund, dass bundesweit jährlich rund 11 Mio Tonnen Lebensmittel im Müll landeten, was etwa der Menge von 184 kg Lebensmittel im Müll pro Einwohner jährlich entspreche. Damit verbunden seien erhebliche soziale, ethische, ökologische, aber auch ökonomische Herausforderungen. 17% der Abfälle würden in der Lebensmittelindustrie durch Qualitätssicherung, technische Störungen oder Beschädigungen, aber auch Überproduktion anfallen. 17% entfielen auf Großverbraucher, 5% den Lebensmittelhandel und der größte Teil, nämlich 61% entstammten aus den Privathaushalten. Das sei pro Person und Jahr eine Abfallmenge von 82 kg Lebensmitteln bzw. einem entsprechenden Geldwert von 234 Euro.

Der Müllexperte Leverenz zeigte dann auch auf, dass 27% der Abfallmenge auf Gemüse, 17% auf Obst, 15% auf Backwaren entfielen. Der Anteil an Fleisch- und Milcherzeugnissen sei demgegenüber eher gering mit 6% bzw. 8%. Andererseits müsse man berücksichtigen, dass gerade für die Erzeugung von hochwertigen tierischen Lebensmitteln ein erheblicher Input an Getreide, Wasser und Energie erforderlich sei.

Innerhalb der Studienauswertung hinterfragte man auch die möglichen Gründe für die Lebensmittelabfälle: fehlende Kenntnisse im Bereich der Resteverwertung in den Privathaushalten, eine hohe Anspruchshaltung im Hinblick auf optische und äußere Qualität bei Lebensmitteln von Seiten der Verbraucher, fehlendes Wissen bzw. Missverständnisse hinsichtlich der Haltbarkeit von Lebensmitteln, wenig systematische Art von Nahrungseinkauf, Vorratshaltung und Nahrungszubereitung, zu großer Aufwand in Industrie und Handel bei Kontrolle und selektiven Verwertungsmöglichkeiten.

Leverenz wies darauf hin, dass die Abfallproblematik in Politik und der öffentlichen Meinung einen ungemeinen Handlungsdruck erzeugt habe, weswegen nun auch allerorten Aktionen starteten. Nicht zuletzt habe das Bundeslandwirtschaftsministerium in seiner Kampagne „Zu gut für die Tonne“ sechs Millionen Flyer aufgelegt. Fraglich sei, inwiefern alleine Aufklärungsaktionen Veränderungen in den eingefahrenen Handlungsgewohnheiten im Umgang mit Lebensmitteln erreichen könnten. Von wissenschaftlicher Seite stehe nun eine detailliertere Studie für Bayern an sowie die Beteiligung am europäischen Projekt „Green Cook“, um das Lebensmittelmanagement auf verschiedenen Wertschöpfungsstufen zu verbessern. Dazu seien auch die Kirchen als Ideengeber und Großverbraucher eingeladen.

Hohebuch, 23.10.2012
Hansjörg Keyl

Die dazugehörige Präsentation finden Sie als PDF-Datei hier zum Download


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