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Vorträge und Referate

Besinnung zum Monat April 2016

„Ihr seid das auserwählte Geschlecht“, beginnt der Monatsspruch für diesen April im ersten Petrusbrief (2,9). Geht´s nicht ein bisschen bescheidener? Mir wird es etwas mulmig, wenn ich das auf mich beziehen soll, auf uns als Kirche, als Evangelisches Bauernwerk. Ich will einfach nur als Christ leben, mich nicht dauernd abgrenzen von den Anders- oder Nicht-Gläubigen. Zu viel Schindluder wurde schon getrieben mit dem Anspruch „auserwählt“ zu sein – wenn alle anderen damit abgewertet werden als „Verworfene“, „Ungläubige“, die man mit allen Mitteln bekämpfen darf.

„Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ Der Brief geht an eine kleine Schar von Christen, die ziemlich unter Druck stehen. Ihnen werden die großen Worte ins Stammbuch geschrieben. Nicht damit sie sich über alle anderen erheben. Aber sie sollen wissen, wie viel Gott an ihnen liegt.

Wir sollen wissen, wie viel Gott an uns liegt. Als Christen stehen wir nicht so unter Druck wie unsere Glaubensgeschwister gegen Ende des ersten Jahrhunderts oder wie heute Christen in Syrien, im Irak, in Nigeria. Doch haben wir es nicht auch schon erlebt, dass wir wegen unseres Glaubens belächelt werden? An Gott glauben und an das ewige Leben, Rücksicht nehmen auf unsere Mitmenschen, auf Gottes Gebote – ist das nicht von vorgestern? Haben wir es nicht leichter, erfolgreich zu sein in dieser harten Welt, wenn wir uns von diesem Ballast befreien?

Nein, sagt der erste Petrusbrief, ihr sollt wissen, wie viel Gott an euch liegt. Zu ihm gehört ihr, der die Macht des Lebens und der Liebe ist. Wir, die wir 2016 als Christen leben, in aller Unvollkommenheit, mit manchen Fragen und Zweifeln. Sie, die als Bäuerinnen und Bauern arbeiten, zunehmend eine Minderheit, unter wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Druck und doch mit einer unverzichtbaren Aufgabe, nämlich gute Lebensmittel zu erzeugen. Wir alle sollen wissen, wie viel Gott an uns liegt.

Wir sollen weiter wissen, dass Gott uns berufen hat. Berufen zu einer „lebendigen Hoffnung“ heißt es gleich am Anfang des Briefes (1,3). Der Grund dieser Hoffnung: Ostern, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Mit dem Tod ist eben nicht alles aus. Hass, Gewalt und Tod haben nicht das letzte Wort. Weil Gott die Macht des Lebens ist und der Liebe.

Als Christen sind wir berufen zur Hoffnung, sind wir Zeugen der Hoffnung in einer Welt, in der es viel Grund gäbe zu resignieren: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“ (3,15) Also nicht den anderen mit aller Gewalt aufs Auge drücken, dass wir Christen sind und sie es auch werden sollten – aber bereit sein Auskunft zu geben über das, was uns trägt, was uns Kraft gibt und Mut zur Zukunft. Eben über „die Hoffnung, die in uns ist“.

Ein letzter Gedanke. Dazu sind wir wirklich alle berufen, die wir uns als Christen verstehen, keineswegs nur die „Berufschristen“. „Ihr seid das königliche Priestertum“. Ob auf der Kanzel oder im Stall und auf dem Acker, ob zu Hause, in der Fabrik, im Büro, im Klassenzimmer, im Pflegeheim. Überall sind wir Menschen, an denen Gott unendlich viel liegt, die er zur Hoffnung berufen hat und zu Zeugen der Hoffnung.


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