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Vorträge und Referate

Jahreslosung 2016: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13)

Ein Bibelwort, das wohl kaum einen von uns kalt lässt. So viel Wärme und Geborgenheit geht von ihm aus. Ähnlich wie von Psalm 23: „Der HERR ist mein Hirte.“ Dort vertrauen wir uns Gott an als starkem Beschützer, der mit uns durch dunkle Angst-Täler geht. Hier stellt Gott sich vor als eine Mutter, die ihr Kind in den Arm nimmt, ihm mit ruhiger Stimme Trost zuspricht oder zusingt. Nähe und Wärme lässt sie spüren. Schmerz und Traurigkeit sind dann nicht einfach weg, aber schon nicht mehr ganz so schlimm.

Ein schönes, ein wärmendes Bibelwort, die Jahreslosung für dieses Jahr. Vielleicht aber nicht für alle. Ich höre den Einspruch: „Ich bin erwachsen, kein Kind mehr. Und was fange ich mit Trost an? Wenn ich etwas brauche, dann keine leeren Worte, sondern praktische Hilfe und Solidarität.“

Ja, wir sind erwachsen, und es ist gut, wenn auch unser Glaube an Gott erwachsen ist. Doch bedeutet Erwachsen-Sein, dass wir nie mehr Trost benötigen? Eher ist es so, dass wir hin und wieder die Seiten wechseln – einmal können wir andere trösten, ein anderes Mal suchen wir Trost, und hoffentlich finden wir ihn auch.

Wann brauchen wir denn Trost? Wenn wir um einen lieben Menschen trauern. Wenn es uns selber schlecht geht, körperlich oder seelisch oder beruflich, und wir wissen nicht, ob und wie wir aus dem Loch wieder heraus kommen. Wenn uns ein schwerer Fehler unterlaufen ist, wir etwas Wichtiges versäumt, uns schuldig gemacht haben.

Trost heißt dann nicht einfach Vertröstung nach dem Motto: „Nicht so schlimm!“ oder: „Alles wird gut!“ Zu allererst bedeutet es: „Ich bin da, höre dir zu, halte es aus, wenn du dir Vorwürfe machst, traurig oder wütend bist oder über Schmerzen klagst. Ich nehme dich in den Arm oder bringe dir etwas zum Essen.“ Echter Trost ist zuerst menschliche Nähe, vor dem Schweren nicht davonlaufen, ist praktische Hilfe und Solidarität. Dann aber auch: Zuspruch, durch den unser Blick vorsichtig wieder in Richtung Zukunft gelenkt wird, so dass wir neue Hoffnung schöpfen können.

Wie geht es aber, wenn Gott uns tröstet? Zum einen durch Menschen, die das in seinem Namen, in seinem Auftrag tun. Sie werden uns zu Engeln, zu Boten Gottes, auch wenn sie sich selber nie so bezeichnen würden, sondern einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind und das tun oder sagen, was uns jetzt gerade weiterhilft.

Wie tröstet uns Gott? Durch einen Gottesdienst, durch Musik, durch einen Psalmvers – die Seele kommt zur Ruhe, ich atme auf und kann wieder nach vorne schauen. Tief in mir drin spüre ich: Gott ist da, unsichtbar, aber mir ganz nahe. Er vergibt mir meine Schuld, er geht mit mir den Weg in die ungewisse Zukunft. Oder sage ich besser: „sie“? Weil Gott sich in der Jahreslosung mütterlich vorstellt.

Von Gott können wir nur in Bildern und Vergleichen reden: Mutter, Vater, Hirte, Licht, Quelle des Lebens, Fels und Burg, Sonne und Schild … Ja, so ist Gott, aber zugleich unendlich viel mehr. Ich bin dankbar, dass beten darf: „Der HERR ist mein Hirte …“ und „Vater unser im Himmel …“, und genauso, dass Gott mir zuspricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
(Dietrich Bonhoeffer, Ende 1944)


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