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Vorträge und Referate

Besinnung zum November 2015

„Erbarmt euch derer, die zweifeln.“ (Judasbrief, Vers 22, Monatsspruch für November 2015)

Zweifel sind unangenehm. Aber sie gehören dazu, zum Leben, sogar zum Glauben. Der Zweifel, der derzeit wohl die meisten umtreibt: „Werden wir es wirklich schaffen?“ Die vielen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, menschenwürdig unterzubringen, zu versorgen. Das beeindruckende ehrenamtliche Engagement durchzuhalten. Dabei politisch europäische Lösungen zu finden, denn Deutschland alleine wird es nicht bewältigen.

„Werde ich, werden wir es schaffen?“ Die Frage belastet uns bisweilen auch bei persönlichen und betrieblichen Problemen schwer. Der Zweifel, ob ich als Person, wir als Familie, wir als Betrieb das durchhalten und zu einem guten Ziel bringen können, was vor uns liegt, was wir uns vorgenommen haben.

Zweifel können schließlich meinen Glauben befallen, mein Vertrauen auf Gott. Gibt es ihn wirklich, den Gott, der es gut mit mir und überhaupt mit uns Menschen meint? Hat mein Leben, hat das, was ich erlebe, einen Sinn, oder herrscht nur der blinde Zufall, ein erbarmungsloses Schicksal?

Es gibt nun ganz unterschiedliche Weisen, mit Zweifeln umzugehen. Wir können versuchen, sie wegzudrücken – Augen zu und durch. Das kann für eine gewisse Zeit funktionieren. Die Gefahr dabei: Wir blenden Teile der Wirklichkeit aus, die uns dann umso heftiger auf die Füße fallen. Der Zweifel könnte ja darauf hinweisen, dass eine Richtungsänderung oder wenigstens eine leichte Kurskorrektur nötig ist. Ohne Zweifel an dem, was man bisher für unumstößlich wahr gehalten hatte, gäbe es in der Wissenschaft keine neuen Erkenntnisse, keinen Fortschritt.

Wollte ich als Christ versuchen, mir und anderen alle Zweifel zu verbieten, verkäme mein Glaube zu einer unduldsamen, aggressiven Ideologie.

Zweifel können uns auf der anderen Seite lähmen, so dass wir überhaupt nichts mehr zustande bringen. Das Leben besteht nun einmal aus größeren und kleineren Entscheidungen, die wir treffen müssen, selbst wenn noch einzelne Ungewissheiten und Fragen bleiben. Ob ich meine Hoffnung und mein Vertrauen auf Gott setze, ob ich zu ihm bete und mein Leben nach seinen Geboten ausrichte – das kann ich ebenfalls nicht auf Dauer in einem unentschiedenen Schwebezustand halten.

„Erbarmt euch derer, die zweifeln.“ Der Vers rät uns zu einem barmherzigen Umgang mit Zweifeln. Mit denen der anderen wie auch mit den eigenen. Barmherzig, das heißt: Ich weiß, Zweifel sind menschlich. Ich kann und muss sie nicht mit Gewalt unterdrücken. Trotzdem versuchen wir gemeinsam den Weg weiterzugehen, den Weg der Hoffnung und des Vertrauens.

„Erbarmt euch derer, die zweifeln.“ Was hilft mir, wenn Zweifel an mir nagen? Einmal sind es Menschen, die selber glauben und meinen Zweifeln nicht besserwisserisch, sondern mit Verständnis begegnen. Zum anderen, wenn ich immer wieder versuche meine Fragen und Zweifel im Gebet vor Gott zu bringen. So zögernd und unsicher dieses Gebet auch sein mag. Denn Gott hört mich, er begegnet mir und auch meinen Zweifeln barmherzig.


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