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Vorträge und Referate

Osterbesinnung 2015

Wer war bei Ihnen dieses Jahr der Palmesel? In meiner Kindheit wurde jeweils das Familienmitglied dazu erklärt, das am Palmsonntag als letztes aufgestanden war. Ich vermute, dieser Brauch dürfte nicht mehr in allzu vielen Familien bekannt sein. Einen anderen gibt es wohl nur noch im Museum: den hölzernen Palmesel auf Rollen für die Palmsonntagsprozession.

Der Original-Palmesel war aber weder aus Holz noch jemand, der sonntags gerne ausschläft, sondern ein echter Vierbeiner. Ein „Miet-Esel“, ausgeliehen, damit Jesus, der Wanderprediger aus der Provinz, in die heilige Stadt einreiten kann. In Jerusalem wird er erst begeistert empfangen. Wenig später wendet sich der Zorn der Mächtigen und einer aufgepeitschten Volksmenge gegen ihn.

Zurück zum Esel. Kein störrisches Mistvieh, ein verlässliches Reit- und Lasttier. In biblischer Zeit für „normale“ Menschen wie für Könige. Nur für den Krieg scheint er sich nicht zu eignen. Ein Feldherr ist hoch zu Ross unterwegs. Der Palmesel und sein Reiter, sie stehen dagegen für Gewaltlosigkeit und Frieden.

Palmsonntag war schon, jetzt wir feiern Ostern. Vielleicht mit lecker zubereitetem Lamm aus der Region. Bereits in vorchristlichen Zeiten erinnerte das Passahlamm an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, wie Gott sein Volk verschont hat vor dem Unheil. Typisch für die Passahlämmer: Sie wurden im Tempel in Jerusalem geschlachtet und dann von den Familien ganz verzehrt. Nichts durfte übrig bleiben.

Wir werden an Ostern sicher kein ganzes Lamm zubereiten und essen – aber der alte Brauch gibt einen wichtigen Hinweis darauf, wie viel den Menschen damals das Tier wert war, mit welchem Respekt sie sein Fleisch verzehrten.

Im Neuen Testament und oft auf Bildern in Kirchen wird Jesus Christus als Lamm dargestellt. Er ist das „Lamm Gottes“, der Unschuldige, der sich opfert und so den Kreislauf der Gewalt unterbricht. Doch das Lamm trägt die Siegesfahne, weil Jesus auferstanden ist, die Macht des Todes gebrochen hat. An Ostern feiern wir Gott als Macht des Lebens und der Liebe. Palmesel und Osterlamm stehen genau für diese Hoffnung: das Leben hat das letzte Wort, nicht Krieg, Gewalt und Tod. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes und gesegnetes Osterfest, Ihr

Dr. Jörg Dinger, Landesbauernpfarrer

(Diese Besinnung erscheint zeitgleich in BWagrar 14.2015, 04.04.2015.)


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