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Vorträge und Referate

Besinnung zur Jahreslosung 2015

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Römer 15,7)

„Nehmt einander an.“ Eine freundliche Mahnung empfängt uns am Eingang des neuen Jahres. So freundlich, so selbstverständlich hört sie sich an. Wir hören sie, wir stimmen zu: „Klar, darauf kommt es an.“ Rasch lassen wir aber die allzu bekannten Worte hinter uns. Gibt es doch so viel Wichtiges zu tun.

Dabei ist dieser Satz, den Paulus an die Christen in Rom schreibt, weit mehr als eine freundliche Erinnerung an etwas, was eh alle wissen. Hören wir genauer hin, werden wir vielmehr feststellen, dass uns die diesjährige Jahreslosung einiges zumutet.

Ein biblisches und zugleich hoch aktuelles Beispiel: Manche Christen essen aus ihrer Glaubensüberzeugung heraus kein Fleisch, leben vegetarisch oder vegan. Bereits in der römischen Christengemeinde vor knapp 2000 Jahren gibt es darüber Streit. Die einen glauben, sie dürfen alles essen, die anderen essen kein Fleisch (Römer 14,2 – wörtlich: „nur Pflanzliches“!).

Die einen berufen sich auf die christliche Freiheit und darauf, dass wir das Fleisch als gute Gabe Gottes dankbar genießen dürfen. Für die anderen stand damals wohl die Sorge im Vordergrund, sich an nicht nach den religiösen Vorschriften geschlachtetem Fleisch zu verunreinigen. Heute geht es häufig um die Frage, wie Nutztiere gehalten werden. Manche sind gar überzeugt, wir Menschen hätten grundsätzlich kein Recht, Tiere für unsere Zwecke zu töten oder sie überhaupt als Nutztiere „auszubeuten“.

Überzeugungen prallen auf Überzeugungen, Lebensweisen auf Lebensweisen. Nahe legen sich schon von Paulus beschriebene Reaktionen: dass wir die jeweils anderen „verurteilen“ – ihnen also den christlichen Glauben absprechen, weil sie unseren strengen Maßstäben nicht genügen; dass wir die anderen „verachten“ – also auf sie herabschauen, weil sie so eng und ängstlich sind (Römer 14,3). Ähnlich heftige und grundsätzliche Auseinandersetzungen unter Christen gab es in meiner Jugendzeit um die Frage „Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung“ und gibt es heute um die Bewertung der Homosexualität.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ Die Losung mutet uns einiges zu. Mitchristen annehmen, auch wenn sie ihren Glauben anders leben, als ich das für richtig halte. Das bedeutet nicht, dass ich den Mund halte oder gar zu allem Ja und Amen sage. Zum Annehmen gehört, dass wir miteinander reden, dabei auch die unterschiedlichen Überzeugungen zur Sprache bringen. Uns aber nie an Gottes Stelle setzen und uns ein Urteil über das Leben und den Glauben der jeweils anderen anmaßen. Jede und jeder von uns wird sich für sein eigenes Leben vor Gott verantworten müssen (Römer 14,10).

Die Jahreslosung formuliert anders herum, nämlich positiv: „… wie Christus euch angenommen hat“. Nicht der Gedanke ans jüngste Gericht steht im Vordergrund, vielmehr, wie freundlich uns Gott durch Jesus Christus begegnet und annimmt. Mit all unseren persönlichen Stärken, Schwächen und Überzeugungen, trotz unserer Fehler und Verfehlungen. Christus nimmt uns an und vergibt uns unsere Schuld.

Unterschiedliche Überzeugungen und dass wir schuldig werden aneinander – selbst unter Christen gab es das, gibt es das, und wird es das geben, solange wir auf dieser Erde leben. Doch es gibt auch das andere, und daran erinnert uns die Jahreslosung: dass wir einander vergeben, uns gegenseitig annehmen trotz aller Spannungen.

Die freundliche Mahnung der Jahreslosung gründet in der Menschenfreundlichkeit Gottes, die wir zuletzt an Weihnachten gefeiert haben: „Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbind´t sich mit unserm Blute. Sollt uns Gott nun können hassen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen? Gott gibt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren.“ (EG 36, 2+3)

Zum Schluss: nehmen wir einander an, dient das „zu Gottes Lob“. Darauf kommt es zuerst und zuletzt an: dass wir Menschen Gott die Ehre geben. Eben auch durch die Art, in der wir miteinander umgehen. Nicht meine Überzeugung ist das Wichtigste, sondern dass wir miteinander zu Gott gehören, ihn gemeinsam loben mit Psalmen, Gebeten und Liedern: „Lob Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt und seinen Sohn.“ (EG 27,1)


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