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Presse und Publikationen

Burnout -- auch in der Landwirtschaft

Fachtag der Landwirtschaftlichen Familienberatung Hohebuch zum 25-jährigen Jubiläum


Der Leiter der psychologischen Beratungsstelle der evangelischen Kirche in Württemberg, Dipl.-Psychologe Reinhard Sellmann, informierte über Burnout in der Landwirtschaft in Hohebuch

„Ist die Psychowelle jetzt auch in die Landwirtschaft hineingerollt?“ fragte provokativ der Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg und EKD-Agrarbeauftragte Dr. Clemens Dirscherl bei seiner Begrüßung zum Informationstag der Landwirtschaftlichen Familienberatung im Evangelischen Bauernwerk in Württemberg. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Hohebucher Familienberatung wurde ein Fachtag zum Thema „Burnout in der Landwirtschaft“ für Agrarberater in Bayern und Baden-Württemberg veranstaltet.

Eigentlich, so Dirscherl, müssten bäuerliche Familien doch kerngesund sein: sie arbeiteten in einem gesundheitsfördernden Umfeld in freier Natur und mit Tieren, eingebunden in Familien, mit selbstständigen und selbst bestimmten Tätigkeitsbereichen. Tatsächlich zeige sich jedoch auch innerhalb der Hohebucher Landwirtschaftlichen Familienberatung, dass Burnout zunehme. Preiskapriolen auf den Agrarmärkten, hohe betriebliche Investitionen, starke Arbeitsbelastung und ein zunehmend kritisches Umfeld aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft erhöhten den seelischen Druck auf die landwirtschaftliche Bevölkerung.

Dies bestätigte der Referent des Fachtages, Dipl.-Psychologe Reinhard Sellmann, Leiter der psychologischen Beratungsstelle der evangelischen Landeskirche in Württemberg. Nach Expertenangabe ist jeder siebte Deutsche einmal in seinem Leben von Burnout-Symptomen betroffen. Bedenklich auch, dass gerade einmal 15% laut Arbeitszufriedenheitsuntersuchungen hoch motiviert, engagiert und zufrieden in ihrem Arbeitsumfeld sind. Zwar ist nach Untersuchungen in der deutschen Landwirtschaft die Arbeitszufriedenheit höher, doch sind auch hier ein Drittel mit ihrem Berufsumfeld nicht zufrieden. Das Bedürfnis nach Wertschätzung und Selbst-Wertschätzung sei für Menschen ganz zentral, machte Sellmann deutlich. Auch für die Landwirtschaft gelte dies durch entsprechende finanzielle Wertschätzung der Arbeit aber auch die soziale Anerkennung in Familie, sozialem Umfeld und Gesellschaft. Wenn die soziale Balance der Wertschätzung über einen längeren Zeitraum nicht mehr stimme, werde es gefährlich für Psyche und Körper. „Sind die Sozialbeziehungen gut, sind Menschen leistungsfähiger“, brachte es der Psychologe auf den Punkt.

Zwar gehörten belastende Konflikte zum Alltag, doch wenn Angst um Sicherheit ins Spiel käme, sei die Gefahr des Ausgebranntseins groß. Schlaflosigkeit, eingeschränkte soziale Kontakte, Lustlosigkeit, Resignation und Trauergefühle seien erste Hinweise. Der Körper reagiere mit Verspannungen, Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsmangel. Außerdem erhöhe sich die Infektanfälligkeit. Zugleich seien Kreislauferkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden oftmals die Folge. In seiner Praxis erlebe er, dass gerade Männer sich abschotteten: „Mein Mann schwätzt einfach nicht, er schafft nur und frisst alles in sich hinein“, so die häufige Klage von Bäuerinnen.

Wichtig sei es, die ersten Symptome zu erkennen und eine Beratungsstelle aufzusuchen. Dazu gibt es innerhalb der Landwirtschaft in den verschiedenen Bundesländern von evangelischer und katholischer Seite Landwirtschaftliche Familienberatungen, so eben auch die in Hohebuch, welche vor 25 Jahren gegründet wurde.

Hohebuch, 16.04.2013
Dr. Clemens Dirscherl


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